Sonntag, 13. Januar 2013

Aus der Schatztruhe...


...meiner Erinnerungen

Das Briesetal im Winter



Tja Walter - der mit dem Spitzbart - ich bin wieder in der Gegend! Wer hätte das gedacht. Wie sehr hätten wir es deinem Namensvetter - meinem Großvater - , und natürlich auch meiner Großmutter, gegönnt, dass Sie den Fall deiner Mauer noch erlebt hätten. 



Wenn ich hier spazieren gehe,  schwelge ich in Erinnerungen , die so nah sind und so fern...




Nach dem Einkaufen im Konsum zusammen mit meiner Oma, oder bei der Gemüsefrau Inge - man fragte: "Was gibt es?", und nicht "Ich hätte gern",


nahmen wir oft die Abkürzung entlang der Briese.



Oma sang mir das Lied vom guten Kameraden vor, 


und in meiner Schnute steckte ein Lieblingslolli aus dem Konsum, mit Kakaofüllung. Der Augenblick, wenn die Zunge sich soweit vorgeschleckt hatte und in diesen weichen Kern tunkte - UNVERGLEICHLICH -


Zuhause prasselte das Feuer im Küchenherd und der Frost hatte Eisblumen  an die Fensterscheiben gemalt.



Wenn die Seiltänzerin, eine alte, schmale Frau mit rot geschminkten Wangen - die nach einem Sturz nicht mehr ganz richtig im Kopf war - mit ihrem starren Blick vorbei humpelte, gruselte es gleich doppelt schön



Der Kachelofen in "der Stube" verbreitete behagliche Wärme. Im Ofenrohr schmurgelten Bratäpfel 



Opa, erzählst du mir ´ne Geschichte?


Oma wärmte am Abend mein Federbett am Ofen


Die Milch mußte man damals noch abkochen und die leckere fette Haut auf der Oberfläche plumste extra nur für mich in meinen Muckefuck.





Dazu gab es einen Kameruner oder einen Pfannkuchen vom Bäcker Reisener. Die waren sooo knusprig. Keine Westköstlichkeit konnte später jemals diese Seligkeit auslösen


Und abends habe ich mit meinem Opa Nüsse geknackt.


Wir waren auf Augenhöhe



Da gab es dann für mich auch schon mal ein Eierlikörchen:-))), der natürlich aus heimischer Produktion stammte


Oma mußte in Zinkeimern heißes Wasser rüber schleppen zum Grundstück in der Hessenstraße und in den Trögen das Eis aufschlagen für die Hühner.


Der Weihnachtsmann brachte einen Schlitten, der erst Jahrzehnte später von meinen Kindern kaputt gerodelt wurde


Sylvester gab es Karpfen mit Pfefferkuchen Soße


Ob mich der Baum wohl gesehen hat, als er noch stand?



Der Zugang von der Hauptstraße aus, Richtung Humboldallee, war später, als alles verfiel einschließlich der Brücke,  mit Brettern vernagelt.



Nach der Wende ist alles erneuert worden



einschließlich der Bohlenwege durch den Sumpf



Ich höre wie Opa singt:

"Puppchen, du bist mein Augenstern"

Ich wünschte ich könnte einfach klingeln...
...
1962, ein Jahr nach dem Mauerbau war Schluß mit lustig.
Meine Oma mußte mich einer Rotkreuzschwester übergeben, die mich über die Grenze zu meiner Mutter brachte.


Kiek mol wedder in

Kommentare:

  1. Zauberhafte Bilder...schön wie du deine Erinnerungen teilst.Hab ich mir sehr gerne angesehen und an meinen Opa gedacht der immer kleiner Lodderbast zu mir gesagt hat:)

    Alles Liebe,Dany

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  2. Schöne Kindheitserinnerungen sind wirklich ein wahrer Schatz und je älter wir werden, desto wertvoller erscheinen sie uns - mir geht's zumindest so. Wunderschöne Bilder und gelesen habe ich auch in Deinen Erinnerungen auch sehr gerne.
    Liebe Grüße

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  3. In deinen Worten erkenne ich meine Erinnerungen wieder. Auch meine Oma hat mir das Federbett am Ofen aufgewärmt und Opa hat Nüsse geknackt, Auch wir waren im Konsum, gab ja damals nicht viel:). Wir brauchten das aber auch nicht. Es war einfach nur schön. Ich bin im Oderbruch geboren und bekomme jetzt gerade Heimweh. Ist aber nicht schlimm, ganz im Gegenteil eher schön. Vielen Dank dafür.
    Liebe Grüße
    Doreen

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  4. Ohje, du machst mich ganz wehmütig... Viele deiner Erinnerungen kann ich teilen, wie der Gang zum Konsum, das angewärmte Federbett und gleich nochmal so viele fallen mir ein. Ich will nicht sagen "früher war alles besser", aber eben anders, sehr anders. Ich wünschte nur manchmal ich hätte damals mehr gefragt. Danke für den schönen Ausflug. Liebe Grüße, Anke

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